Radiochirurgie ist der Gebrauch von hochfrequenter Energie zum Schneiden, Schneiden mit gleichzeitiger Koagulation und Koagulation am menschlichen Körper.
Radiofrequenz ist ein elektrischer Strom, der beim hf1 Surg ® »medical« mit
einer Frequenz von 1,2 MHz (1.200.000 Zyklen pro Sekunde) erzeugt
wird. Diese Energie von 1,2 Millionen Zyklen/Sek. ist an der
Elektrodenspitze konzentriert. Sobald der Kontakt mit dem Gewebe
hergestellt wird, verdampft die Zelle. Dies geschieht dadurch,
dass sich die Zellflüssigkeit ausdehnt und die Zelle explodiert.
Der Schneid- oder Koagulationseffekt kommt bei Geräten,
die im Megahertzbereich arbeiten, schneller zustande, das umgebende
Gebiet wird deshalb thermisch nicht geschädigt. Die Elektrode
selbst ist nur der Leiter für den Hochfrequenzstrom und
wird selbst nicht heiß. Dies kann man mit der aktivierten
Elektrode sehr gut an einem aufgeblasenen Luftballon demonstrieren,
der bei Berührung mit der Elektrode nicht platzt, da die
Hitze beim Einsatz von Hochfrequenzwellen nur innerhalb des
Gewebes erzeugt wird.
Erklärung der verschiedenen Wellenformen / Stromarten
Es stehen 3 Wellenformen / Stromarten zur Verfügung
Schneidstrom (Fully Filtered = gefilterte Welle) Der
Schneidstrom ist der feinste Strom, mit dem der glatteste Schnitt
mit der schnellsten Heilung erreicht wird. Mit diesem Strom
sind bessere Resultate zu erzielen als mit dem Skalpell. Dies
ist der Strom Ihrer Wahl für alle feinen Schnitte. Bei
dieser Wellenform entsteht die geringste laterale Hitze, es
werden nur wenig Zellschichten verdampft. Dieser Strom wird
immer dann eingesetzt, wenn die geringste Zellverdampfung gewünscht
wird. Exzidate, die mit diesem Strom entnommen wurden, können
histologisch untersucht werden.
Schneid- und Koagulationsstrom
(Fully Rectified = leicht modulierte Welle) Dieser
Strom schneidet und koaguliert zugleich, ohne nekrotische Veränderungen
hervorzurufen. Da bei dieser Stromart etwas mehr laterale Hitze
erzeugt wird, verdampfen etwas mehr Zellschichten als beim
Schneidstrom. Zugleich zum sauberen Schnitt entsteht entlang
der Schneidspur eine Koagulation des Schnittes. Diese Koagulation
ist so fein, dass sie nur in Form eines weißlichen Belages
sichtbar wird. Dieser Belag stört die Wundheilung nicht
und schilfert unmerklich während
der Heilungsphase ab.
Koagulationsstrom (Partially Rectified
= halbwellenmodulierte Welle) Dieser Strom ist ausschließlich zur Blutstillung geeignet und hat nur eine geringe Schneidefähigkeit. Er eignet sich zur Blutungsstillung jeder Art direkt (über die Elektrode, z. B. Kugel oder dicke Nadel) oder indirekt (über eine Klemme oder Pinzette). Dieser Strom steht im hf1 Surg ® »medical« in den 2 Versionen Dauer- und Impulskoagulation zur Verfügung. Gerade die Impulskoagulation ist oft das Mittel der Wahl. Dabei wird viel Energie (Power) in limitierter Zeit von 0,2 Sekunden auf das Ende des blutenden Gefäßes gebracht. Das Eiweiß gerinnt sofort und das Gefäß ist "zugeschweißt". Ein Gefäß, dessen Ende "zugeschweißt" ist,
bricht nicht so leicht wieder auf wie eines, dessen Ende nekrotisiert
ist.
Was bewirkt der Fulgurations-Strom
und warum ist er im hf1 Surg ® »medical« nicht
eingebaut? Dieser
Strom, bei dem es ohne Berührung des Gewebes zu einem Funkensprung kommt, wird in vielen Geräten zur Blutstillung eingesetzt und mit "Sprühkoagulation" bezeichnet. Da es hierbei zu einer unkontrollierten tiefen Gewebezerstörung kommt, bei der ein nekrotischer Rand verursacht wird, ist dieser Strom in das hf1 Surg ® »medical« nicht
eingebaut.
Was ist der Unterschied zwischen monopolarer und bipolarer Koagulation?
Die so genannte monopolare Elektrode hat eine aktive Spitze (Kugel, dicke Nadel etc.), an der die Wellen austreten und in das Gewebe eindringen. Die Ableitung der Wellen erfolgt über die Neutralelektrode. Die bipolare Elektrode hat 2 Spitzen, die zur gleichen Zeit aktiviert sind, so dass die Energie direkt von der einen Spitze in die andere (im Wechsel) übergeht. Eine Neutralelektrode ist bei der bipolaren Blutstillung deshalb nicht notwendig. Eigentlich ist es falsch, bei der Koagulation, die über eine Kugel- oder Nadelelektrode erfolgt, von einer monopolaren Koagulation zu sprechen, denn diese ist ebenfalls bipolar. Ein Pol ist die Elektrode, der andere die Neutralelektrode, die die Wellen wie eine Antenne aufnimmt und zum Gerät zurückleitet.
Bei welchen chirurgischen
Eingriffen kann ein Radiochirurgiegerät benutzt werden?
Das Radiochirurgiegerät kann grundsätzlich das Skalpell ersetzten. Da ohne Zug, Druck und Verschieben des Gewebes operiert werden kann, ist es für jeden chirurgischen Eingriff geeignet, besonders, wenn feinste Schnitte erforderlich sind und wenn mit kleineren oder größeren Blutungen zu rechnen ist. Ein großer Vorteil der Radiochirurgie ist die absolute Sterilität der Schnitte entlang der Schneidspur der Elektrode. Keime können somit nicht wie beim Skalpell weitertransportiert werden
Wie wird die richtige Elektrode und die richtige Stromdosierung gewählt?
Schneiden: Je feiner die Elektrode, desto
feiner der Schnitt! Für einen glatten Schnitt wird eine
feine Nadelelektrode benutzt, zum plastischen Arbeiten stehen
schmale und runde Schlingen sowie eckige Elektroden zur Verfügung.
Beim Schneiden ist die richtige Intensitätseinstellung
die, bei der die Elektrode sanft durch das Gewebe gleitet,
ohne hängen zu bleiben und ohne Funken abzugeben. Das
Ergebnis muss ein glatter, nicht verfärbter Schnitt sein.
Diese Einstellung variiert etwas von Patient zu Patient. Es
ist völlig unerheblich, bei welcher Intensitätseinstellung
die oben genannte Schneidleistung erzielt wird. Wichtig ist
nicht die Höhe der eingestellten Intensität, sondern
das erzielte Ergebnis. Es ist besser mit einer "leicht" erhöhten
Einstellung zu arbeiten, als mit einer zu niedrigen. Da Hochfrequenzwellen
etwas Feuchtigkeit als Leitmedium benötigen, sollte das
zu behandelnde Gebiet immer etwas feucht (nicht nass!) sein.
Trockene Hautareale werden mit einem Tupfer, der mit Kochsalzlösung
angefeuchtet ist, betupft. Wird eine größere Elektrode
oder eine "grobere" Stromart (z. B. Schneid-/Koagulationstrom)
gewählt, ist etwas mehr Energie notwendig als beim Arbeiten
mit dem voll gefilterten Schneidstrom. Nach kurzer Einarbeitungszeit
stellen diese Parameter erfahrungsgemäß kein Problem
mehr dar. Die ausführliche schriftliche Gebrauchsanweisung
und die Gebrauchsanweisung auf CD, (Video auf Anfrage) die
jedem Gerät beiliegen, geben außerdem detailliert
Auskunft. Empfohlen werden zu Beginn der hochfrequenzchirurgischen
Tätigkeit Schneideübungen am Phantom (Rindfleisch).
Koagulation: Bei der Koagulation muss eine
sofortige Blutstillung erreicht werden. Diese geschieht durch
sanftes Auflegen der Elektrode (Kugel oder dicke Nadel) auf
das blutende Gefäßende und anschließender
Aktivierung durch den Fußschalter. Dadurch wird eine
oberflächliche Koagulation erzeugt, tiefere Gewebeschichten
werden nicht zerstört und das Koagulum stellt sich in
Form einer weißlichen Stelle dar. Die Wundheilung wird
nicht gestört, der Patient hat keine Schmerzen. Auf keinen
Fall darf die Elektrode auf das blutende Gefäß gedrückt
werden, da sonst ein großer Widerstand aufgebaut wird,
der die Blutstillung verzögert und zu tieferen Zerstörungen
von Zellschichten führt, die im Extremfall mit einer Nekrose
einhergehen.
WICHTIG! Es ist nicht möglich in einem
Blutsee zu koagulieren, da sonst das umgebende Gewebe verkocht
wird. Das Blut muss vorher abgesprüht, abgesaugt oder
abgedrückt werden. Wir empfehlen die Impulskoagulation
mit hoher Intensität und kurzem Impuls. Dadurch erreicht
man eine sofortige Blutstillung ohne Koagulum oder Nekrosen.
Die zuvor blutende Stelle stellt sich oft lediglich als weißer
Fleck dar, das Eiweiß ist sofort bei Berührung mit
der Elektrode geronnen.
Wie und wo soll die Neutralelektrode angebracht werden?
Die Neutralelektrode soll so nah wie möglich zum Operationsfeld platziert und in ganzer Fläche vom Patienten bedeckt werden. Durch die korrekt platzierte Neutralelektrode wird der Widerstand verringert, Operationen können mit geringerer Intensität durchgeführt werden. Nur bei geerdeten Behandlungsstühlen (z.B. in Zahnarztpraxen) ist es möglich, eventuell ohne Neutralelektrode zu operieren, da die Ableitung via Patient in die Erdung erfolgt.
Besteht
die Gefahr, durch die Benutzung eines Hochfrequenzgerätes einen elektrischen Schlag zu erhalten?
Es besteht absolut keine Gefahr einen elektrischen Schlag zu bekommen. Es ist jedoch möglich, dass Sie sich verbrennen, wenn Sie in körperlichen Kontakt mit dem Patienten stehen und mit der aktivierten Elektrode ein Metallinstrument berühren, das Sie in der ungeschützten Hand halten. Hochfrequenzstrom geht den Weg des geringsten Widerstandes! Er wird in solch einem Fall von der aktivierten Elektrode in das Metallinstrument und über Ihren Körper geleitet. Derartige Fälle kommen äußerst selten vor und sind uns in den letzten Jahren nicht bekannt geworden.
Können Skalpell- und Radiochirurgieschnitte verglichen werden?
Untersuchungen haben klar ergeben, dass Operationen mit dem gefilterten Schneidstrom (Fully Filtered = gefilterte Welle) bei einer Ausgangsfrequenz im Megahertzbereich eine bessere Heilung zur Folge haben als chirurgische Eingriffe mit dem Skalpell. Voraussetzung ist natürlich die richtige Wahl der Welle, die richtige Einstellung der Stromintensität, die richtige Auswahl der Elektrode und die Ausstattung des Gerätes
Können die Handstücke und Elektroden sterilisiert werden?
Die Handstücke und Elektroden sind bis zu einer Temperatur von 134° C autoklavierbar. Es empfiehlt sich, einen zweiten Satz Handstücke und Elektroden anzuschaffen, so dass immer sterile Teile zur Verfügung stehen. Handstücke, Kabel und Elektroden sollten regelmäßig auf Bruch und Abnutzung untersucht werden. Beachten Sie die Hinweise und Empfehlungen in den Gebrauchsanweisungen